Berghausen und Wöschbach
Unsere Kirchengemeinde besteht aus den beiden Ortsteilen Berghausen und Wöschbach der politischen Kommune Pfinztal. Mit zusammen 4550 Personen ist sie die größte im Kirchenbezirk Alb - Pfinz. In den vergangenen Jahrzehnten sind wir - nahe an Karlsruhe gelegen - eine beliebte Wohngemeinde geworden. Berghausen hat heute 8000 Einwohner, in Wöschbach wohnen etwa 3000 Menschen.
- Berghausen, die Martinskirche und Gemeindehaus
- Wöschbach und die Kapelle
- Gemeinde in der NS Zeit (Referat)
Berghausen und die Martinskirche
Der Ort Berghausen wird erstmals im Jahre 771 in einer Urkunde des Klosters Lorsch erwähnt. Da das fränkische Kloster Lorsch schon seit dem 8. Jahrhundert in unserer Gegend Besitz hatte, ist anzunehmen, daß die Mönche dieses Klosters die Gemeinde geistlich betreuten. Die Kirche des "Heiligen Martin" wird 1261 in einer Urkunde erstmals bezeugt. Dieses Dokument, das Papst Alexander IV. ausgestellt hat, verzeichnet Güter des Klosters Gottesaue aus Durlach bei uns.
Am 1. Juni 1556 führte der badische Markgraf Karl II. die Reformation ein. Seit dieser Zeit gibt es eine Evang. Kirchengemeinde mit der Martinskirche in Berghausen.

Die 3 Glocken sind aus dem Jahr 1950 aus Briloner Spezialbronze. Durch das Elektrolytkupfer können die Glocken nicht zu Kanonen umgegossen werden, wie es im letzten Jahrhundert zweimal geschehen ist. Die Läuteanlage ist elektromechanisch. Sie ist insofern interessant, da viele Kirchenglocken heute mittlerweile elektronisch gesteuert werden. (Hierzu mehr...)

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| Das Grabmal des Freiherrn Conrad Heinrich von Selmnitz. Es ist vier Meter hoch aus rotem Sandstein, mit einem aus weißem Marmor imitierten Relief der Auferstehung Jesu | Wappen der Familie Selmnitz | Freiherr von Selmnitz war "Geheimrat" des Durlacher Markgrafen, wohnte im Wasserschloss zu Berghausen und wurde in der Gruft der Martinskirche (unter dem heutigen Altar) auch beerdigt. Seine "Wirkungsstätte" - die Karlsburg in Durlach - ist in der Inschrift es Grabmals noch heute erkennbar | |||
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| Der alte Taufstein aus dem alten Kirchengebäude | Die Grabsteine der Pfarrer Mylius und Wild | Aus der alten Kirche stammt das eindrückliche Barockkruzifix, das heute links im Kirchenschiff hängt |
Das Gemeindehaus

Wöschbach und unsere Kapelle


(Quellen: V. Vortisch, M. Würfel, Wikipedia, u.v.a.)
Download: Der Architekt Gottfried Einwächter zum Bau "seiner" Kapelle (bitte auf das Bild klicken)
Im Oktober 2015 fand ein kleiner Empfang anläßlich des 60 Jubiläums statt.
Wir wünschen der Kapelle noch viele segensreiche Jubiläen.

Gemeinde in der NS Zeit
1. Die evangelische Kirchengemeinde Anfang der 1930er Jahre
Um diese Zeit waren annähernd 2600 Menschen in Berghausen evangelisch. Das entsprach etwa 90% der Bevölkerung. Die Sonntagsgottesdienste besuchten 1932 im Schnitt 500 Gemeindeglieder.
Von 1924 bis 1936 war Karl Georg Noll Pfarrer in Berghausen. Er war Mitbegründer und Leiter der kirchlichen Jugendarbeit, die damals unter dem Namen „Jungmännerbund“ geführt wurde - dem heutigen CVJM. Die Gemeinde hielt Evangelisationswochen ab und unterstützte mit ihren Spenden Diakonie- und Missionswerke.
Berghausen ging es Anfang der 1930er Jahre wirtschaftlich sehr schlecht. Die Weltwirtschaftskrise wirkte sich auch auf dieses Dorf aus. Sehr viele Menschen waren arbeitslos und die Bevölkerung lebte in einer allgemeinen Unzufriedenheit. Das zeigt ein kurzer Auszug aus dem Gemeindeboten vom Januar 1933: „...Seit Jahren leben wir in der Ungewissheit: geht es noch weiter abwärts mit uns? ... Fast sind wir schon so weit, daß wir alles über uns ergehen lassen ...“. Diese Unzufriedenheit wird auch in den Kirchenaustritten deutlich, die in dieser Zeit erfolgten.
Doch nicht nur in Berghausen, sondern in ganz Deutschland war die Lage sehr schlecht. Jeder sechste Erwerbsfähige hatte keine Arbeit. So wurde alle Hoffnung auf Adolf Hitler gesetzt, der als letzte Rettung angesehen wurde.
2. Entwicklungen in der Kirche
Die führenden Kirchenmänner erhofften sich von Hitler zweierlei Dinge: erstens einen Aufschwung der Wirtschaft und zweitens die Wiederherstellung einer starken staatlichen Ordnung. So wurde die Machtergreifung Hitlers am 31. Januar 1933 auch in der Berghausener Kirche anfangs begrüßt, denn man glaubte, dass Hitler auch dem Christentum das Heil bringen würde. Man wartete in der Not auf einen Notwender und sah diesen in Hitler.
Bis 1930 wurde Berghausen politisch von der SPD und den Kommunisten geführt. Im März 1933 jedoch wurden von den Berghausenern, aufgrund der Unzufriedenheit, bei der Reichtagswahl annähernd gleichviele Wählerstimmen für die NSDAP wie für SPD und KPD zusammen abgegeben.
Der Sieg der NSDAP machte sich auf der einen Seite durch vermehrte Kundgebungen und Propagandaveranstaltungen bemerkbar und auf der anderen durch Hausdurchsuchungen bei politischen Gegnern, gewaltsamen Übergriffen und öffentlichen Ausschreitungen, die die Gewaltbereitschaft der Nationalsozialisten an den Tag brachten. Aber durch das dörfliche Umfeld waren die Auswirkungen nicht so groß wie in Karlsruhe oder Stuttgart und anderen Großstädten. Es gab in Berghausen auch keine jüdische Gemeinde.
3. Einflussnahme der Nationalsoziallisten
Kurz vor Weihnachten 1933 wurde jedoch eine einschneidende Veränderung von Reichsbischof Müller und Reichsjugendführer v. Schirach beschlossen. Die evangelische Jugend musste sich unter Zwang in die Hitlerjugend eingliedern. Jeder Jugendliche der kirchlichen Jugend war nun auch automatisch Mitglied in der Hitlerjugend. Das bedeutete doppelte Verpflichtungen und mehr täglichen Zeitaufwand. Es gab nun von der Kirche aus keine Freizeiten und Lager mehr und die Jugendarbeit wurde erheblich erschwert. In Berghausen gab es auch zwei nichtchristliche Lehrer, die kontrollierten, welche Jugendliche in die Kirche gingen. So versuchten die Nationalsozialisten den alleinigen Einfluss zu erlangen und der Jugend ihre Ideologie einzutrichtern. Trotzdem überdauerte die kirchliche Jugendarbeit den gesamten Krieg, auch wenn die Treffen zeitweise in der Sakristei der Martinskirche stattfinden mussten.
Doch die Nazis waren nicht nur auf die Jugend aus. Die Christen spürten allgemein ihren Druck, denn sie wurden auf der Straße verspottet und angegriffen. Die Argumente der Gegner waren, dass das Christentum der germanischen Rasse Art widerspreche und Nationalsozialisten keinen Erlöser bräuchten, sondern für sich selbst stünden.
Ein weiteres Gebiet, in das die Nazis eingriffen, war die Arbeit der Diakonissen. Es gab von ihnen zwei in Berghausen, die eine Krankenschwesterausbildung hatten und sehr beliebt waren. Doch sie mussten ihre Arbeit aufgeben und wurden durch eine sogenannte „braune Schwester“ ersetzt. Sie vertrat die NS-Ideologie und hatte nichts mehr mit der Kirche zu tun.
Die Entwicklungen wurden aber stets kritisch beobachtet und Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten folgten schon Anfang 1934. Ein Auszug aus dem Gemeindeboten im Juni 1935 zeigt dies exemplarisch: „Wieder wie vor 1500 Jahren ist unser Volk vor die Entscheidung gestellt: ob es germanisches Volk sein will mit Glauben aus Blut und Rasse, oder ein christliches Volk, das da lebt aus den Quellen des ewigen Lebens.“
4. Pfarrer Einwächter kommt

Er widersetzte sich der Verein-nahmung der Kirche durch die Nationalsozialisten und hatte deshalb mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schon in seiner früheren Gemeinde hatten die Nazis ein Auge auf ihn geworfen.

Als dann 1939 der Krieg ausbrach, wurden viele Kampffähige, darunter auch Pfarrer, eingezogen. Das bedeutete, dass Pfarrer Einwächter einige Gemeinden im Umkreis zusätzlich versorgen musste, wie z.B. Weingarten. Durch den Beginn des Krieges erlebte die Kirchengemeinde unmittelbar nach 1940 wieder eine Eintrittswelle.
Pfarrer Einwächter stand auf der Liste der Nationalsozialisten. Sie wussten zwar, dass er nicht mit ihnen konform war, aber hatten nichts Konkretes gegen ihn in der Hand. So war er von Spitzeln umgeben, erhielt Vorladungen der Gestapo und bei ihm fanden Haussuchungen statt.
1941 jedoch verschickte er den Gemeindeboten an kämpfende Soldaten, was mit der Begründung „die Soldaten sollten ohne Christus sterben, sondern allein auf den Führer vertrauen“, verboten war. Das war zu viel und so wurde er am 17. Oktober 1941 für 10 Tage von der Gestapo verhaftet.
Berghausen blieb vom Krieg nicht verschont. Besonders schlimm wurde das Dorf im großen Luftangriff in der Nacht auf den 25. April 1944 getroffen. Weite Teile des Dorfes brannten. Annähernd unbeschädigt blieben die gemeindlichen Gebäude, wie das Rathaus, das Pfarrhaus, die Kirche und ebenso das neugebaute Oberlinhaus.
Pfarrer Einwächter ließ sich nicht unterkriegen und blieb seiner Linie weitgehend treu. So konnte die Kirchengemeinde in Berghausen dank der guten Leitung der Pfarrer Noll und Einwächter die Jahre des Nationalsozialismuses und des Krieges recht gut überstehen.
Referat zum mündlichen Abitur
Dorothee Wissinger







